Die Tagesschau berichtet “Heißestes Jahrzehnt in der Geschichte” und der jüngste Klimabericht wirkt wie eine Aneinanderreihung von Rekorden: Das vergangene Jahrzehnt geht als wärmstes seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Geschichtsbücher ein. Decken sich diese Meldungen auch mit einem gestiegenen Bewusstsein der Menschen für Umweltfragen?

Antworten finden wir in einer repräsentativen Studie zum Thema Klimawandel, die wir 2007 erstmals durchführten und im Januar 2020 nun wiederholten.

Worin die Ursachen des Klimawandels liegen

Zuallererst fällt auf: Die Meinung zu den Ursachen des Klimawandels hat sich über die vergangenen 13 Jahre gewandelt, und sie stellt sich in der Konsumentensicht anders dar, als man es aus der Berichterstattung der Medien wahrnehmen würde. Ob dies ein Versuch des Menschen ist, die Komplexität zu reduzieren oder die Berichterstattung gar zu leugnen? Schwer zu sagen. Aber schauen Sie im Folgenden selbst tiefer hinein.

Während 2007 nur jeder Zehnte (11 %) der Meinung war, der Klimawandel sei eine natürliche Entwicklung, glaubt dies heute jeder Fünfte (21 %). Mehrheitlich sind jedoch heute wie damals die Menschen überzeugt, der Klimawandel folge der industriellen Entwicklung: 66 % heute, 87 % im Jahr 2007. Dabei fällt auf, dass die Zahl derjenigen steigt, die sich über den Ursachen des Klimawandels keinen rechten Reim mehr machen können  – nämlich von 2 % der Befragten im Jahr 2007  auf 13 % im Jahr 2020.

Glauben Sie, dass der derzeit spürbare Klimawandel eher eine ganz natürliche Entwicklung ist, oder eher durch die industrielle Entwicklung bedingt ist? (n=1.000)

Wer die Schuld trägt

Dazu passt die Sicht der Menschen auf die Frage, wer die Verantwortung für den Klimawandel trägt: Alle Werte sinken von 2007 auf 2020.

Die Industrie ist und bleibt aus Sicht der Befragten stärkster Treiber, wenn auch mit sinkender Tendenz (von 77 % im Jahr 2007 auf aktuell 60 %). Es folgt die Politik, die heute immerhin noch jeder Zweite (52 %) in der Pflicht sieht (2007: 62 %). Sich selbst geben die Verbraucher in ähnlich hohem Maße wie 13 Jahre zuvor eine Mitschuld (2007: 46 %, 2020: 41 %). Die Automobilindustrie wird vom Verbraucher überraschend deutlich – trotz oder gerade wegen der öffentlichen Diskussion um Dieselskandal und alternative Antriebe – aus der Verantwortung genommen und rutscht vom ehemaligen Platz drei auf Platz vier (2007: 47 %, 2020: 32 %). Auffällig ist auch hier, dass die Menschen zunehmend unsicher sind, wem die Verantwortung gebührt.

2020

2007

Wem würden Sie ganz spontan die Schuld am gegenwärtigen Klimawandel geben? (n=1.000) Mehrfachnennungen möglich

Was getan werden sollte

Dabei haben Verbraucher ein klares Bild vor Augen, welche Aktivitäten für den Klimaschütz nötig seien. Die Antworten lassen sich auf vier Punkte konzentrieren:

  1. Verhaltensänderung des Menschen, beispielsweise ein Absenken der Raumtemperatur, weniger Autofahrten oder Flüge, verringerten Konsum von Obst und Gemüse aus fernen Ländern
  2. Effizienzsteigerung der Produkte oder Häuser, beispielsweise die Nutzung von Passivhäusern, benzinsparenden Autos, Energiesparlampen etc.
  3. Subsistenzwirtschaft, das heißt, eine Generation darf nur die Ressourcen verbrauchen, die sie selbst erwirtschaftet hat (Kohle, Öl und Gas entfallen als Energielieferant)
  4. Emissionshandel

Was jeder Mensch selbst tun kann

Und auch wenn die Menschen den Verbraucher in der Pflicht sehen, stellt eine Änderung des eigenen Verhaltens die größte Hürde dar. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier, das ist mehr als nur eine Binsenweisheit. So sehr die Studie Einsicht in die Ratio gibt, dass der Verbraucher sein Verhalten ändern müsste, so sehr zeigt sie auch, wie schwer die Umsetzung ist. Während 2007 noch 82 % der Menschen angaben, die Diskussion zum Klimawandel führe zum Überdenken eigener Konsumgewohnheiten, so sind dies heute nur noch 57 %. Bei positiver Betrachtungsweise lässt sich sicherlich vermuten, dass die Menschen bereits einiges umgesetzt haben. Negativ bleibt dennoch der Beigeschmack, dass in diesen Fragen ein Ermüdungseffekt eintritt und wir Menschen die Komplexität im eigenen Leben auch dadurch reduzieren, unsere Gewohnheiten nicht ständig zu hinterfragen.

Hat die bisherige Diskussion zum Klimawandel bewirkt, dass Sie Ihre eigenen Konsumgewohnheiten überdenken, also z.B. ein kleineres, Benzin sparendes Auto kaufen, die Zimmertemperatur im Winter reduzieren, Obst und Gemüse aus heimischem / regionalem Anbau bevorzugen etc.? (n=1.000)

Wie wir den Klimawandel wahrnehmen

In der Summe stellen wir eher eine Ernüchterung in der Bevölkerung fest. Unsere Statements beurteilten die Menschen zwar ähnlich zur Befragung vor 13 Jahren, jedoch lässt sich eine aus unserer Sicht beängstigende Tendenz feststellen: weniger Betroffenheit.

Als wirtschaftliche Bedrohung stufen acht von zehn Menschen die extremeren Wetterlagen ein (2007: 78 %, 2020: 79 %). Drei von vier Deutschen bedauern, dass die Jahreszeiten inzwischen weniger ausgeprägt sind (2007: 70 %, 2020: 74 %) und empfinden die Anzeichen der globalen Erwärmung als beunruhigend (2007: 76 %, 2020: 79 %) .

Auch hier zeigt sich die größte Veränderung in der Resignation: Jeder Dritte sagt heute: “Das Klima ändert sich nun eben, das ist nicht besonders” (2007: 24 %, 2020: 36 %).

Im Kontrast zum eher als Jugendbewegung kolportierten Umweltbewusstsein können wir keine wesentlichen Unterschiede in den Altersgruppen feststellen, die Beurteilung fällt bei den jüngeren ebenso wie bei den älteren Mitbürgern aus.  Eine wesentliche Differenz gibt es jedoch zwischen den Geschlechtern: Frauen machen sich mehr Sorgen. So beschreiben sie häufiger als die Männer, dass die Jahreszeiten inzwischen weniger ausgeprägt sind und empfinden es signifikant häufiger unangenehm, dass das Klima in Deutschland milder wird.

Während Frauen die Anzeichen der globalen Erwärmung deutlich beunruhigender finden (Frauen: 71 %, Männer: 60 %) und interessanterweise auch die wirtschaftliche Bedrohung größer einschätzen (76 % Frauen vs. 65 % Männer), spielen Männer den Klimawandel signifikant häufiger herunter. So sagen 20 % der Männer, aber nur 13 % der Frauen, die Änderung des Klimas sei nichts Besonderes.

In welchem Maße stimmen Sie den folgenden Statements zu den Anzeichen eines Klimawandels zu? (n=1.000, Mittelwerte auf einer Skala von 0% = “Stimme überhaupt nicht zu” bis 100% = “Stimme voll und ganz zu”)

Was wir über das Abschmelzen der Polkappen wissen

Immerhin zeigt die Aufklärung zu den Themen des Klimawandels Ergebnisse. So ist heute fast jeder Vierte (72 %) davon überzeugt, dass die Wissenschaft bereits seit 30 Jahren vom Abschmelzen der Polkappen weiß, während dies 2007 nur etwa jeder Dritte (64 %) vermutete. Aber auch hier ist der Anteil derjenigen deutlich gestiegen, die nicht recht wissen, was sie glauben sollen. 10 % der Menschen antworteten im Jahr 2020 auf die Frage, wie lange die Wissenschaft davon Kenntnis hat, “Weiß nicht”. 2007 war dies eine kleine Minderheit von 3 %.

Wie lange, glauben Sie, weiß die Wissenschaft schon, dass die Gletscher und Polkappen durch eine globale Erwärmung abschmelzen werden? (n=1.000)

Welchen Stellenwert wir der Debatte einräumen

Die Ermüdung der Menschen zeigt sich auch in der Frage, wie sie den Stellenwert der öffentlichen Klimaschutzdebatte einschätzen. Eine zunehmende Anzahl Menschen hält diese für übertrieben (38 % zu 21 % im Jahr 2007).

Finden Sie die derzeitige öffentliche Debatte zum Klimawandel und deren Umfang in den Medien eher angemessen, oder eher übertrieben? (n=1.000)

Gleichzeitig sind die Menschen überzeugt, dass das Thema weiterhin Raum fordern wird. Vergleichbar zum Jahr 2007 denken gut zwei Drittel der Menschen, dass wir weiterhin über den Klimaschutz diskutieren werden. 44 % erwarten sogar, dass die Debatte zunehmen wird. Altersunterschiede zeigen sich vor allem zwischen den jüngeren und älteren Menschen. Jüngere erwarten eher eine intensivere Diskussion, nicht zuletzt dadurch, dass die junge Generation wesentlicher Treiber und Teilhaber der Fridays for Future-Bewegung ist.

Glauben Sie, dass die öffentliche Debatte zum Klimawandel in den Medien in der gegenwärtigen Intensität weitergeführt wird? (n=1.000) Top2

Wie die Klimawandel-Ikone Greta Thunberg wirkt

Aus aktuellem Anlass legten wir zum Einstieg ins Thema ein Foto von Greta Thunberg vor und fragten: Was assoziieren Sie mit diesem Mädchen?

Die 16jährige Schülerin, die im August 2018 erstmals vor dem schwedischen Reichstag für den Klimawandel demonstrierte, erlangte innerhalb von anderthalb Jahren eine unverkennbar hohe Bekanntheit: 96% der Deutschen kennen Greta Thunberg. Ein Wert, von dem klassische Marken nur träumen können – auch wenn dies nur bedingt vergleichbar ist.

Und unsere Studie zeigt: Greta Thunberg hat ein sehr klares Profil, das selbstredend auch Ambivalenzen aufzeigt (“nervt”, “wird instrumentalisiert”). Sie steht für Umweltschutz, Klimawandel und die Bewegung “Fridays for Future”.

 

Was assoziieren Sie mit diesem Mädchen? (n=1.000 Befragte)

Greta Thunberg polarisiert, so zeigen es auch die Antworten der Menschen auf unsere Aussagen: 61 % stimmen zu. Ebenso negativ beurteilen 42 %, dass sie Schüler animiert, die Schule zu schwänzen. 40 % sagen gar, dass sie eine PR-Marionette sei.

Weniger Nennungen erhalten die positiven Statements, wie “Greta hat durch ihren Einsatz viel bewegt” (37 %) oder Greta ist ein Vorbild für alle (33 %).

Wie sehr stimmen Sie den folgenden Aussagen über Greta Thunberg zu? (n= 957, alle die Greta Thunberg kennen)

Welche Rolle das Auto spielt

Die Prioritäten der Verbraucher im Automobilmarkt haben sich dagegen deutlich gewandelt. Während 2007 auf den vorderen Plätzen Verbote von Automobilen mit hohem CO2-Ausstoß (2007: 73 %, 2020: 31 %) und Verbote von Spritfressern über 12l/100km (2007: 65 %, 2020: 42 %) landeten, liegt heute ein Tempolimit auf 130 km/h auf deutschen Autobahnen auf Platz eins (2007: 39 %, 2020: 44 %), gefolgt vom Verbot der Spritfresser. Gut jeder Vierte (28 %) stimmt zu, dass Elektroautos noch stärker gefördert werden und die KfZ-Steuer für Fahrzeuge mit besonders hohem CO2-Ausstoß erhöht werden sollte (2007: 34 %, 2020: 27 %).

Welche der folgenden Maßnahmen im Automobilsektor finden Sie sinnvoll, um den Klimawandel zu verlangsamen oder zu stoppen? (n=1.000) Mehrfachnennungen möglich

Was die Menschen über den Emissionshandel denken

Die Staaten, die sich zum Schutz der Umwelt verpflichtet haben, einigten sich vertraglich auf die Höchstmenge im Land produzierter Schadstoffe. Das führt dazu, dass mit Emissionen gehandelt werden kann. Beispiel: Eine Fabrik will mehr CO2 produzieren, als es die Obergrenze für seine Produktionen eigentlich vorsieht. Um trotzdem wie geplant CO2 ausstoßen zu dürfen, kauft die Fabrik bei einem anderen Unternehmen, das weniger CO2 als erlaubt produziert, diese nicht ausgenutzten Schadstoffmengen ab. So kann die Fabrik den eigenen Anteil an CO2 erhöhen.

Den Emissionshandel beurteilt etwa ein Drittel der Konsumenten positiv. Nur jeder Fünfte (21 %) traute sich keine Einschätzung zu, darunter signifikant mehr Frauen (24 % Frauen, 17 % Männer). Die Mehrheit der Menschen (55 %) halten den Emissionshandel für keine sinnvolle Maßnahme gegen den Klimawandel, darunter signifikant viele ältere ab 50 Jahren (57 %).

Halten Sie den Emissionshandel für eine sinnvolle Maßnahme gegen den Klimawandel? Top2 (n=1.000)

Zur Studie

Für die Längsschnitt-Studie wurden im März 2007 und im Januar 2020 1.000 Frauen und Männer im Alter von 18+ Jahren aus Deutschland befragt. Die Studie ist repräsentativ nach Alter und Geschlecht. Weitere Fragen beantworten wir Ihnen gerne.

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