Digitale Ethik

Digitale Ethik

Unbekanntes Terrain?

Digitale Ethik beschäftigt uns zunehmend, denn die Digitalisierung dringt immer mehr in unser Leben ein. Tag für Tag. Die Fragen, welche Aufgaben künftig die Maschine übernimmt und in welchen Bereichen der Mensch gefordert ist, sind nicht nur in Medien, sondern auch im Alltag allgegenwärtig. Schließlich ist die digitale Transformation das zentrale Thema unserer Zeit. Nun kann der Computer vieles übernehmen, was bislang Menschen überlassen blieb. Schon heute steuern wir per Smartphone durch den Verkehr, speichern Rufnummern nicht mehr im Kopf, sondern auf der (mobilen) Festplatte und lassen uns von Computer-Algorithmen das nächste Buch empfehlen – das sogar noch meine Interessen trifft.

Aber können und werden Computer in der Zukunft auch wichtige Lebensentscheidungen übernehmen? Bestseller-Autoren wie Marc Elsberg in seinem Buch „Zero“ oder Dave Eggers in „The Circle“ skizzieren geradewegs Horrorszenarien, in denen die Maschine das Ruder völlig übernimmt.

Wir bei Dialego denken, dass die richtige Balance zwischen Mensch und Maschine gefunden werden muss und dass wir erst am Anfang dieser Entwicklung stehen. Studien zum Datenschutz oder Markenvertrauen deuten ebenfalls darauf hin.

Im Juli 2017 befragten wir 1.000 Menschen ﹣bevölkerungsrepräsentativ für den Bundesdurchschnitt ﹣zum Thema. Dabei fanden wir heraus, dass drei von vier Bundesbürgern den Begriff „Digitale Ethik“ in der Form noch nie gehört hatten.

Haben Sie den Begriff „Digitale Ethik“ schon einmal gehört?

 

Was ist Digitale Ethik?

Der Begriff Ethik löst eindeutige Assoziationen aus: Die Moral der Menschen im Miteinander sowie die Frage, welche menschlichen Verhaltensweisen ethisch sind oder welche „der Norm“ entsprechen.

Verständnis der Deutschen von Ethik.

Dabei ist die Frage der „Digitalen Ethik“ komplizierter. Viele Menschen sagen, dass ihnen sowohl das Wissen über die digitale Welt als auch zur konkreten Frage der Ethik in den digitalen Medien fehle. Als gemeinsame Basis findet sich an dieser Stelle das Verhalten, der Umgang im Miteinander.

Verständnis der Deutschen von digitaler Ethik.

Internet und Moral

Wir haben hinterfragt: Wie ist die Haltung der Deutschen konkret zu einigen ethischen Faktoren? Dabei stimmte beispielsweise jeder Zweite zu, dass die Anonymität im Internet negative Auswirkungen auf die Moral der Menschen habe.

Im Internet spielt Moral durch die Anonymität keine große Rolle.

 

Die Mehrheit der Menschen wünscht sich entsprechend auch einen Kodex für ethisch-moralisches Verhalten im Internet. Dabei fällt auf, dass die Generation der Digital Natives (hier: bis 29 Jahre) unterproportional zustimmt (43 %). Stattdessen ist der Wert von zwei Dritteln durch die ältere Generation (50+) geprägt. Bei den Silver Surfern stimmen ganze 80 % der Aussage zu, dass ein Kodex nötig sei.

Ein Kodex für ethisch-moralisches Verhalten im Internet wäre wünschenswert.

 

Dass es einen solchen Kodex bereits gibt, wissen allerdings auch die Wenigsten. Das Institut für digitale Ethik hat Leitlinien entwickelt, die helfen, die Würde des Einzelnen, seine Selbstbestimmung und Handlungsfreiheit wertzuschätzen.

Mir sind keine Empfehlungen für ein ethisch-moralisches Verhalten im Internet bekannt.

Digital-Kompetenz

Eindeutig ist die Haltung der Menschen, wann man mit der Vermittlung digitaler Kompetenzen beginnen solle: in der Schule. Hier stimmten 72 % aller Befragten zu, nur 3 % sind konsequent dagegen.

Digital-Kompetenz sollte bereits in Schulen vermittelt werden.

 

Ranking der Ethik-Anforderungen

Wir haben die zehn Empfehlungen des Ethik-Institutes von allen 1.000 Befragten bewerten und in eine Rangordnung bringen lassen. Dabei gibt es einen klaren Rang eins: Respektiere die Würde des Menschen. Analog zum Artikel eins unseres Grundgesetzes steht und fällt alles mit der Menschenwürde.

Auf Rang zwei positionierten die Befragten eine gewisse Skepsis:  man solle nicht alles glauben, was man online sieht, sondern verschiedene Quellen heranziehen.Die Glaubwürdigkeit der Online-Informationen ist im Zuge der Fakenews-Diskussionen ein elementarer Aspekt. Oftmals entstehen und transportieren sich Fakenews, weil nur Überschriften gelesen, geteilt und kommentiert werden.

In eine ähnliche Richtung geht der dritte Rang: Vertraue nicht jedem, mit dem Du online Kontakt hast. Auch hier könnte es sich um „Fake-Persönlichkeiten“ handeln.

Die drei wichtigsten Ethik-Anforderungen

Diese Priorisierung ethischer Anforderungen﹣sofern diese also konkret vorgegeben werden﹣ lässt darauf schließen, dass die Menschen sich durchaus bereits Gedanken gemacht haben und bereit sind, Stellung zu beziehen. Nun muss die Zukunft zeigen, inwieweit Leitlinien als gesellschaftlicher Konsens akzeptiert und gegebenenfalls gar verschriftlicht werden. Auch wir bei Dialego erwarten hier analog zur digitalen Transformation eine Weiterentwicklung im gesellschaftlichen Bewusstsein.

 

Hintergrund

Die komplette Rangfolge der Digital-Ethik Empfehlungen:

  1. Respektiere die Würde anderer Menschen.
  2. Glaube nicht alles, was Du online siehst und informiere Dich aus verschiedenen Quellen.
  3. Vertraue nicht jedem, mit dem Du online Kontakt hast.
  4. Lasse nicht zu, dass jemand verletzt und gemobbt wird.
  5. Akzeptiere nicht, dass Du beobachtest wirst und Deine Daten gesammelt werden.
  6. Erzähle und zeige möglichst wenig von Dir.
  7. Schalte hin und wieder ab und gönne dir auch mal eine Auszeit.
  8. Messe Deinen Wert nicht an Likes und Posts.
  9. Schütze Dich und andere vor drastischen Inhalten.
  10. Bewerte Dich und Deinen Körper nicht anhand von Zahlen und Statistiken.

 

Mehr?

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Andera Gadeib
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CEO

Andera Gadeib ist Gründerin und CEO von Dialego. Die Wirtschaftsinformatikerin ist seit vielen Jahren etablierte Expertin zu Fragen der Digitalisierung. Unter anderem ist sie berufenes Mitglied im Beirat Junge Digitale Wirtschaft im BMWi und Vorständin des Bundesverbands IT-Mittelstand bitmi.

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